Fachtagung

Am 5. November 2021 fand, die 4. Fachtagung der Plattform Prävention, erstmals in digitaler Form, statt.

Trotz digitaler Umsetzung hatte auch dieses Mal wieder die Vernetzung einen besonderen Stellenwert bei der Fachtagung der Plattform Prävention. Im Rahmen des digitalen Marktplatzes hatten die zahlreichen Teilnehmenden die Möglichkeit, sich über die vielfältigen Arbeitsschwerpunkte, Handlungsfelder und Angebote der Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner der Plattform Prävention zu informieren und sich untereinander auszutauschen. Aber auch die Organisationen, Vereine und Einrichtungen, die im Netzwerk der Plattform Prävention vertreten sind, hatten dadurch die Gelegenheit, sich näher kennen zu lernen, sich zu informieren und mit Pädagoginnen und Pädagogen aus der Praxis ins Gespräch zu kommen.

Ganz im Sinne des Dialogjahres zum Schwerpunkt "Gewalt.FREI" der Präventionsstelle der Landeshauptstadt Klagenfurt beschäftigte sich auch die 4. Fachtagung mit dem Thema "Gewaltprävention gemeinsam gestalten". In drei Fachvorträgen wurde der Themenschwerpunkt aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Dr.in Birgit Wolf nahm die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit auf einen Kurztrip in die Welt der Kommunikation. Die promovierte Sozialwissenschaftlerin erläuterte in ihrem Vortrag „Schlagzeile Femizid“ Gewalt an Frauen und mitbetroffenen Kindern im Medienkontext. Als psychosoziale Beraterin bei der Frauenhelpline gegen Gewalt konnte sie auf zahlreiche Erfahrungen aus der Praxis in ihren Ausführungen zurückgreifen. 

Unter dem Titel „Yes we do - mit Empowerment und Zivilcourage, gemeinsam gegen gewaltige Welten von Mädchen und Frauen“ berichtete Mag.a Eva Krainer von EqualiZ von ihren Erfahrungen aus dem gleichnamigen Projekt. Sie führte aus, welche Möglichkeiten es gibt, langfristig und nachhaltig die bestehenden gewaltigen Welten von Mädchen und Frauen zu verändern. Mag.a Eva Krainer betonte, dass Diskriminierung, Sexismus und Gewalt an Mädchen und Frauen kein individuelles Schicksal ist, sondern ein gesellschaftliches Phänomen. Gesetze, Strafen und Gewaltschutzmaßnahmen sind Kernelemente der Bekämpfung dieser geschlechtsbezogenen Gewalt. Zudem braucht es auch eine Zivilgesellschaft, die Mädchen und Frauen bei den alltäglichen sexistischen, diskriminierenden und gewalthaltigen Diskursen und Handlungen stärkt und ihnen zivilcouragiert zur Seite steht. 

Im dritten Vortrag unter dem Titel „Denken formt Sprache – Sprache formt Denken” widmete sich Mag.a Barbara Roshan der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg. Die zertifizierte Kommunikations- und Empathietrainerin erläuterte, wie unsere Haltung unsere Kommunikation beeinflusst und was mit Gewaltfreier Kommunikation in der Schule und im Kindergarten bewirkt werden kann.

Im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmenden noch die Möglichkeit, sich in drei Workshops mit den einzelnen Themenschwerpunkten genauer auseinanderzusetzten und sich zu vertiefen. 

Die letzten Jahre stellten die Bevölkerung vor viele neue Herausforderungen. Besonders stark von den Einschränkungen und Maßnahmen betroffen waren und sind noch immer Kinder und Jugendliche, deren psychische aber auch körperliche Gesundheit massiv gelitten hat.

Es zeigen sich immer häufiger Lustlosigkeit, Interessensverlust, Einsamkeit, Schlafstörungen, Zukunftssorgen und andere psychosomatische Symptome. Zudem weisen verschiedene Studien wie auch die Fallzahlen im Klinikum Klagenfurt darauf hin, dass Essstörungen bei jungen Menschen stark zugenommen haben. Aber auch die vermehrte Nutzung digitaler Medien birgt Gefahren für Kinder und Jugendliche.

Wie können Institutionen wie Schulen oder andere Einrichtungen, die von Kindern und Jugendlichen besucht werden, auf diese Herausforderungen reagieren? Wie müssen sie gestaltet werden, um jungen Menschen ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen? Wie gelingt es, Kinder und Jugendliche zu schützen und stark für die Zukunft zu machen?

Mit diesen und noch vielen anderen Fragen beschäftigten sich mehr als 160 Expertinnen und Experten aus verschiedensten pädagogischen Handlungsfeldern bei der 5. Fachtagung der Plattform Prävention am 14. Juni 2022 an der Pädagogischen Hochschule in Klagenfurt.

„Gemeinsam zurück zur Normalität“: Wie Schulen und andere Institutionen Kinder und Jugendliche dabei unterstützen können

Mag.a Dr.in Rosemarie Felder-Puig, MSc von der Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) stellte in Ihrem Vortrag Studienergebnisse vor, die eindrucksvoll zeigten, dass die Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen, die psychische Gesundheit junger Menschen stark beeinträchtigt haben. Sie führte aus, dass Kinder und Jugendliche daher auch weiterhin unsere besondere Aufmerksamkeit benötigen werden. Eltern, Schulen, verschiedenste Institutionen und die Politik sind gefordert, ihren Teil dazu beizutragen. In einer GÖG-Studie, an der die Schulpsychologie, die Elternvertretung sowie Schülerinnen und Schüler teilnahmen, wurden Ideen und Vorschläge für mögliche Unterstützungsmaßnahmen gesammelt. Diese Ideen zur Schulentwicklung und zur Unterrichtsgestaltung wurden ebenfalls im Vortrag präsentiert.


Mehr magersüchtige Kinder und Jugendliche in Behandlung

In einem weiteren Vortrag widmete sich ÖÄ Dr.in Ellen Auer-Welsbach von der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Klinikum Klagenfurt der Zunahme an magersüchtigen Kindern und Jugendlichen. Sie führte aus, dass Corona möglicherweise die Dunkelziffer sichtbarer gemacht hat. Kinder und Jugendliche erkranken überproportional häufiger an Anorexie. Auch das Alter der betroffenen Kinder sinkt. Im Rahmen des Vortrages erhielten die Zuhörenden spannende Einblicke in die Diagnostik und in die Therapiemöglichkeiten dieser schweren Erkrankung.


Digitalität als Nabelschnur zur realen Welt: Herausforderungen und Chancen aus sexualpädagogischer Sicht

Digitale Medien sind ständige Begleiter unseres täglichen Lebens. Kinder wachsen damit selbstverständlich auf und nahezu alle Jugendlichen besitzen ein Smartphone mit freiem Internetzugang. In Zusammenhang mit Sexualität, etwa im Hinblick auf das Versenden intimer Fotos (Nudes, Sexting) oder Pornografie, ergibt sich oftmals ein problematisierender Blick. Zumal der Konsum digitaler Medien während der Pandemie einen erwähnenswerten Zuwachs erfahren hat, bedarf es umso mehr an Angeboten sexueller Bildung - auch online. Die versierte Sexualpädagogin Heidemarie Kraxner, BA, widmete sich in ihrem Vortrag diesen spannenden Inhalten und führte aus, wie das große Interesse an der digitalen Welt genutzt werden kann, um mit jungen Menschen an sexualitätsbezogenen Themen und Fragen zu arbeiten.

Vernetzung und Austausch als wichtige Säule der Fachtagung

Neben drei Vorträgen gab es auch in diesem Jahr wieder genügend Raum für Vernetzung und Austausch. Im Rahmen eines Marktplatzes hatten die zahlreichen Teilnehmenden die Möglichkeit, sich über die vielfältigen Arbeitsschwerpunkte, Handlungsfelder und Angebote der Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartner der Plattform Prävention zu informieren und sich auszutauschen.
 

Aber auch die Organisationen, Vereine und Einrichtungen, die im Netzwerk der Plattform Prävention aufgenommen sind, hatten die Gelegenheit sich untereinander kennen zu lernen, sich zu vernetzen und mit Pädagoginnen und Pädagogen aus der Praxis ins Gespräch zu kommen.

Impressionen vom Marktplatz der 5. Fachtagung
Fotos: Pädagogische Hochschule Kärnten

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